Archiv des Autors: Daniel Annen

Gedanken und Gefühle der Opfer

75 % der misshandelten Kindern sind unter 10 Jahre alt. Sexuelle Übergriffe geschehen tagtäglich.

Schock
Hilflos
Hoffnungslos
Ratlos
Lebensknick
Verlust – Angst
Lebensangst
Ins Bodenlose fallen
Verletzt sein
Selbstmitleid

B e t r o f f e n h e i t

Selbstaufgabe
Verwirrt – Irritiert
lustlos – freudlos
Schmerzen
Atemlos – Atemnot
Weinen – Schreien
einsam – allein
Traumatische Bilder
Ringen um Beherrschung
Sich selbst nicht mehr spüren

Alle 22 Minuten passiert ein Verkehrsunfall auf Schweizer Strassen. Im Jahr 2003 endeten davon 499 tödlich.
Jedes zweite Opfer kennt den Täter oder die Täterin, weil er oder sie ein Familienmitglied ist.

Unsicherheit
schwanken
Trauer
Umgebung wieder wahrnehmen
Hilfsangebote
Gesteuert sein
Verlustangst
Alltag
Atmen
Hoffnung

E r s t e S c h r i t t e h e r a u s

Kurzfristig Planungen
Erfolg – Misserfolg
Ängste
Festhalten – nicht fallen
Verdrängen
Nicht wahr haben wollen
Zurückgeben
Wut
Auseinandersetzung mit der Opferrolle
Ablehnen – Annehmen

Jede 5. Frau in der Schweiz ist einmal im Leben von Gewalt betroffen. Jährlich sind es gegen 100’000 Frauen.
Häusliche Gewalt hat innert zwei Jahren um 9% Prozent zugenommen. Seit dem 1. April 2004 ist es ein Offizialdelikt.

Trauer
Verblassende Bilder
Reden
Suchen – Finden
Stark werden
Aushalten
Rückschläge ertragen
Gute Momente
Lichtblicke
Annehmen

V e r a r b e i t u n g

Akzeptieren
Verbessern
Selbstwahrnehmung
Schmerzen ertragen
Alltag – Zukunftsplanung
Mit der Verletzung leben
Normalität – Realität
Wunden heilen lassen
Aufarbeiten
Aus der Operrolle finden

In jeder dritten Partnerschaft kommt es mindestens einmal zu Gewalt. Zu 84% sind Frauen betroffen.
35% der Opfer sind männlich. Am häufigsten sind Körperverletzungen, gefolgt von Verkehrsunfällen.

Neue Perspektiven
Fuss fassen
Therapie abschliessen
Vertrauen – Selbstvertrauen
Selbstsicherheit
Lachen
Vergessen
Zurücklassen
Rückschläge – Erfolge
Selbstbestimmung

N o r m a l i t ä t

Alltag
Abschliessen
Damit leben lernen
Freude am Leben
Freunde – Familie
Unterstützt werden
Loslassen
Opferrolle ganz ablegen
Neubeginn
Zufriedenheit

Unsere Opferhilfestelle agiert seit 4 Jahren erfolgreich und hat in dieser Zeit über 500 Menschen beraten.

Jahresbericht 2004 der Opferberatungsstelle Kanton Schwyz zum Thema häusliche Gewalt

Im Jahr 2004 ist bei der Opferhilfeberatungsstelle im Kanton Schwyz im Bereich Häusliche Gewalt eine 37%-Zunahme gegenüber dem Vorjahr (2003/66,2004/91) zu verzeichnen, ähnlich wie bei der Polizei.

Die Kampagne der Polizeidirektionen

Die Polizei hat viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben, ebenso die Opferhilfeberatungsstelle. Die Schwyzer Presse berichtete mehrere Male darüber. Die Polizei handelt. Es wird nicht mehr vermittelt und vertröstet. Gewalt in der Familie ist nicht Privatsache. Mit der Offizialisierung wird ein Strafverfahren eingeleitet. Die Opfer, meist Frauen, erhalten neben der polizeilichen Hilfe unsere Adresse. Bei schwerer Gewalt, wie Körperverletzung, wird Haft angeordnet. In anderen Fällen wird der Aggressor aufgefordert, sich aus der Konfliktsituation zu entfernen. Den Gewaltausübenden wird klar gemacht, dass Gewalt in jeglicher Form eine Straftat ist und nicht geduldet wird. Wiederholte und schwere Gewalt wird als Offizialdelikt eingestuft.

Die Gewaltausübenden werden aus dem Familiensystem genommen. Die Opfer, Erwachsene, wie auch Kinder, können in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Das ist eine Erleichterung für die Opfer. Sie werden gestärkt und sind dadurch handlungsfähiger.

Die Situation der Opfer hat sich verbessert

Die Opfer wenden sich viel früher an die Beratungsstelle, da nun offensichtlich Häusliche Gewalt von der Polizei geahndet wird. Ausserdem werden sie von den verschiedenen Fachpersonen dazu motiviert, nach aussen zu treten.

Die Polizei gewährt den Schutz der Opfer, die Opferberatungsstelle kann die Betroffenen beraten. Vermehrt können die Opfer und ihre Kinder in der gewohnten Umgebung bleiben. Obwohl mehr Klienten häuslicher Gewalt beraten wurden, nahm die Platzierung in Notwohnung und Frauenhaus nicht zu. Die Beraterin kann die Opfer in eine entsprechende Handlungsfähigkeit begleiten und ihnen so helfen, aus der Gewaltspirale auszusteigen.

Strafverfahren und Eheschutz

Erfreulicherweise ist festzustellen, dass in schwerwiegenden Fällen sofort superprovisorischer Eheschutz (Bezirksgericht) und Rayonverbote (Bezirksamt) ausgesprochen werden. In früheren Jahren wurden sie oft abgewiesen.

Was allerdings bleibt, ist eine aufwändige Gesuchsstellung bei zwei verschiedenen Behörden, dem Bezirksamt und dem Bezirksgericht. Die Anforderungen an die Straftatbestände sind sehr hoch. In der oftmals sehr kurzen Zeit müssen Arztzeugnisse und Zeugenaussagen bereit stehen. Für das Opfer ist zum Beispiel eine Drohung schwerwiegender und beängstigender, kann aber kaum ewiesen werden.

Offizialdelikt

Wenn wiederholt Gewalt ausgeübt wird, Tätlichkeit, Drohung oder Körperverletzung, sichtbare Spuren, Würgen, Verletzungen vorliegen, wird das als Offizialdelikt eingestuft. Die Opfer müssen nicht selbst Anzeige erstatten. Das Verfahren läuft von Amtes wegen. Das wirkt meist schon abschreckend auf die Gewaltausübenden. 6 Monaten lang wird genauestens auf weitere Gewaltvorkommen geachtet. Erst dann wird ein Urteil gefällt. Der gewaltausübende hat also die Chance sich wohl zu verhalten. Sofern die Frau auf einer Verurteilung besteht kann auch bei Wohlverhalten eine Strafe ausgesprochen werden. Das ist ein Damoklesschwert und zeigt Wirkung.

Gewaltausübende, die jahrelang schlagen, die Schlagen als ihr Recht ansehen, können sich nicht 6 Monate zurückhalten. Sie drohen, verlangen von der Frau, dass sie ihre Aussage zurück zieht, werden wieder straffällig. In diesen Fällen und bei schwerer Körperverletzung, kann das Verfahren nicht eingestellt werden. In der Handhabung der Offizialisierung stellt die Beratungsstelle fest, dass oft nach einem halben Jahr die ersten Regelungen getroffen wurden. Der Eheschutz besteht, die Trennung läuft, das Kinderbesuchsrecht wurde geregelt, die Obhut und die Wohnung ist zugeteilt, Massnahmen, wie Alkoholentzug, Therapie, etc. wurden eingeleitet, oder die Partner leben wieder zusammen und gehen in eine Eheberatung. In diesen Fällen wünschen beide Parteien eine Einstellung des Verfahrens. Die Untersuchungsrichter vergewissern sich in einer Sühneverhandlung, dass keine weiteren Straftaten folgen, die Gewaltbetroffenen möchten eine Einstellung des Verfahrens. Dann stellen die Richter das Verfahren mit dem Einverständnis aller provisorisch ein. Bei neuen Vorfällen kann das Strafverfahren wieder aktiviert werden.

Da das Verfahren neu ist, müssen Erfahrungen gesammelt werden. Polizei, Untersuchungsrichter und andere Stellen, sind auf einen „Runden Tisch“ angewiesen, um die Erfahrungen auszuwerten und Massnahmen und Hilfen zu verbessern. Ein „Runder Tisch Häusliche Gewalt“ ist dringend notwendig.

Durch die Kampagne Häusliche Gewalt und die Offizialisierung des Delikts ist die Öffentlichkeit sensibler. Es melden sich nun öfters Nachbarn, Bekannte, Verwandte und Sozialstellen, die sich vorgängig erkunden, wie sie Hilfe anbieten können.

Migrantinnen

Der prozentuale Anteil Migrantinnen (67) – Schweizer Bürgerinnen (135) – ist ähnlich wie in den Vorjahren. Allerdings ist der Beratungsaufwand und die Dauer bei den Migrantinnen unverändert grösser. Selbstständigkeit, Abhängigkeit, Sprachprobleme, Papierbeschaffung, soziale Isolation, kulturelle Barrieren, Aufenthaltsbewilligung, Mehrfachprobleme am Arbeitsplatz, im Familiensystem und in der Persönlichkeit benötigen längere Beratung und zusätzliche Anstrengungen aller. Die Häusliche Gewalt ist „nur“ Teil der Probleme, die sich die Frauen stellen müssen. Es braucht eine grössere und intensivere Vernetzung mit anderen Stellen. Die Frauen sind oft ein bis zwei Jahre in der Beratung bei der Opferhilfe und bei anderen Stellen.

Die grosse Zunahme der Fälle im Bereich Häuslicher Gewalt hat die Polizei und die Opferberatungsstelle gut aufgefangen. Auf längere Sicht und gleichbleibend höherer Fallzahl müssten aber weitere Ressourcen erschlossen werden werden.

Die angegebenen Zahlen beziehen sich auf die Statistik der Opferberatungsstelle Kanton Schwyz aus den Jahren 2003 und 2004.

Jahresbericht 2003

Unser Anliegen – Zufriedene Klienten

Positive Rückmeldungen

Unsere Arbeit wird von den Klienten geschätzt. Wir erhalten viele positive Rückmeldungen. Sie bedanken sich für die erhaltene Hilfe, berichten über einen guten Therapieverlauf oder melden, dass alle Stellen gut zusammen gearbeitet haben, so dass sie mit der Aufarbeitung des Geschehenen beginnen konnten. In der Begleitung übernehmen die Klienten immer stärker wieder ihre Selbstbestimmung, was für uns ein gutes Zeichen der professionelle Hilfe ist. Das freut uns sehr und gibt Kraft, uns weiterhin voll einzusetzen. Die Rückmeldung, was nicht gut gelaufen ist, was gefehlt hat, ist uns sehr wichtig, um die Hilfe optimieren zu können. Schwachstellen werden erkannt und verbessert.

Diese Wertschätzung der Klienten ist nicht selbstverständlich. Sie sind das Resultat einer nach den Bedürfnissen der Opfer ausgerichteten, professionellen Beratung:

  • Bei Gefährdung wird in kurzen Intervallen telefonisch nachgefragt.
  • In jedem Gespräch, telefonisch oder persönlich, wird die Befindlichkeit der Opfer überprüft und allenfalls die Hilfeleistungen angepasst.
  • Nach jedem Gespräch und beim Abschluss der Beratung wird nach der Klientenzufriedenheit gefragt und im Protokoll festgehalten.
  • Nach Abschluss des Falles werden die Klienten angefragt, ob noch offene Fragen sind und ob die Akten abgeschlossen werden können.

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Empathie und Sympathie sind bei der psychologischen Hilfe und Beratung sehr wichtig. Nicht jedes Opfer fühlt sich bei uns gut verstanden. Dies trifft vor allem auf einen Kliententypus zu, der schon auf vielen Stellen war und noch nie seiner Erwartungen und Vorstellungen nach Hilfe erhalten hat. Oft kann eine Opfersituation zu einer weiteren Verengung der Sichtweise führen, so dass das Opfer mit allen Stellen Differenzen hat. In solch einem Fall versucht die Beraterin, dem Opfer eine andere Sichtweise aufzuzeigen: Von der Perspektive der Rache und Strafe weg auf einen Weg, der aus der Opfersituation hinausführt.

Drei bis vier Fälle pro Jahr verlangen von den Beraterinnen und Beratern viel Fingerspitzengefühl und eine ausgesprochen hohe Geduld. Sei es, weil die Klienten sehr schwierig sind, oder die Situation, die durch die Straftat verursacht wurde, sehr schwer aufzufangen ist. Da wir im Team arbeiten, können sich die Berater und Beraterinnen gegenseitig entlasten, wenn sie an ihre Grenzen stossen.

Vernetzung mit anderen Stellen

Damit der Klient bestmöglich betreut wird, müssen die verschiedenen Stellen untereinander gut kommunizieren und sich voneinander klar abgrenzen. Die optimale Hilfe verlangt von den Behörden, Beamtinnen, Polizisten, Sozialberaterinnen, Frauenhäuser, Verhöramt und Richter, dass sie Hand in Hand arbeiten. So kann das Opfer im Leben möglichst bald wieder Tritt fassen kann.

In den vier Jahren unserer Arbeit hat sich vieles zum Vorteil der Opfer und seinen Angehörigen verändert, weil die Beratung und die Vernetzung im Kanton Schwyz eine hohe Qualität aufweist. Alle Berater verfügen über ausgesprochen viel Wissen über Zusammenhänge und Adressen, wo weitere Hilfe geholt werden kann. Dies in allen Bereichen der Opferhilfe. Zudem sind neue Sozialstellen geschaffen und professionalisiert worden und die Opferrechte werden besser beachtet und durchgesetzt. Die Vernetzung der Opferhilfe mit allen Stellen im Kanton ist sehr gut und trägt viel zu unserer Klientenzufriedenheit bei.

Wunsch

Gerade im Bereich der Soforthilfe sind wir sehr schnell und effizient. Das Opfer erhält rasche und unkompliziert Schutz und Nothilfe. Möglich ist dies einerseits durch die Gesetzgebung, die ausgesprochen fortschrittlich ist, anderseits durch den Kanton, der viel zur Umsetzung beiträgt.
Das Opferhilfegesetz wird nun revidiert. Es ist zu hoffen, dass nicht aus Spargründen wichtige Hilfen gestrichen werden.
Wie in anderen Sozialbereichen, IV und Sozialhilfe ist der Schwerpunkt in die Soforthilfe und Unterstützung zu legen, um den Klienten nicht ‚künstlich’ in eine langen Abhängigkeit zu bringen.

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Informationen für Opfer und ihre Angehörigen

Information zum Opferhilfegesetz

Was ist das Opferhilfegesetz?

Seit 1. Januar 1993 ist das Opferhilfegesetz in Kraft. Mit Beschluss vom 12. August 1998 hat der Regierungsrat eine Vollzugsverordnung zum Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftaten erlassen, welche nun die regierungsrätlichen Weisungen aus dem Jahre 1992 ersetzt. Ziel dieses Gesetzes ist es, den Opfern von Straftaten wirksame Hilfe zu leisten und ihre Rechtsstellung zu verbessern. Dazu gehören:

  • fachgerechte Beratung und Betreuung
  • Schutz des Opfers und die Wahrung seiner Rechte im Strafverfahren
  • angemessene Entschädigung und Genugtuung

Für wen gilt das Opferhilfegesetz?

Hilfe nach diesem Gesetz erhält jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer), und zwar unabhängig davon, ob der Täter ermittelt worden ist und ob er sich schuldhaft verhalten hat. Zu den Straftaten zählen Tötung, Körperverletzung, Raub, Vergewaltigung und andere Delikte gegen die sexuelle Integrität. Nicht dazu gehören Ehrverletzungsdelikte, Tätlichkeiten, Diebstahl oder Betrug, weil diese Straftaten keine unmittelbare Beeinträchtigung der Integrität nach sich ziehen können. Nahe Angehörige eines Opfers (Ehepartner/in, Lebenspartner/in, Eltern oder Kinder) werden dem Opfer bezüglich Beratung sowie Geltendmachung von Verfahrensrechten, Zivilansprüchen und Genugtuung gleichgestellt. Sie können ihre Ansprüche selbständig geltend machen.

Worauf hat das Opfer Anspruch?

1. Beratung und Betreuung
Opfer haben Anspruch auf unentgeltliche Beratung durch eine der anerkannten Beratungsstellen. Diese Stellen leisten und vermitteln den Betroffenen medizinische, psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe. Die Hilfe kann als Soforthilfe oder als längerfristige Massnahme geleistet oder vermittelt werden. Zudem werden die Opfer von Beratungsstellen über die Opferhilfe informiert.

Zur Soforthilfe gehört z. B. das Besorgen einer Notunterkunft, das Vermitteln einer juristischen Erstabklärung oder das Leisten von Überbrückungsgeld.

Oft genügen die Soforthilfen nicht, um die Folgen der Opfersituation zu überwinden. In diesen Fällen können je nach persönlichen Verhältnissen (Einkommen und Vermögen werden angerechnet) die Kosten für längerfristige Massnahmen übernommen werden (Therapie, Rechtsvertretung, Familienhilfe). Über die weitere Hilfe entscheidet auf Gesuch der Beratungsstelle hin das Amt für Gesundheit und Soziales.

2. Rechte im Strafverfahren
Wird gegen den Täter ein Strafverfahren eingeleitet, hat das Opfer in jedem Fall einen verbesserten Rechtsschutz. Es kann namentlich verlangen, dass

  • das Strafgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagt;
  • keine Begegnung mit dem Täter im Strafverfahren stattfindet;
  • es durch eine Vertrauensperson begleitet wird, wenn es als Zeuge oder Auskunftsperson befragt werden muss.
  • Es kann Aussagen zu Fragen verweigern, die seine Intimsphäre betreffen. Das Opfer einer Straftat gegen die sexuelle Integrität kann ausserdem verlangen, von einer Person des gleichen Geschlechts einvernommen zu werden.

3. Entschädigung und Genugtuung
Hat sich die Straftat nach dem 1. Januar 1993 ereignet und sind bestimmte weitere Voraussetzungen erfüllt (Berücksichtigung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse nach Ergänzungsleistungsgesetz), können Opfer vom Kanton, in welchem die Straftat begangen wurde, eine Entschädigung (Ersatz für den vom Täter verursachten Schaden) und eine Genugtuung (Ersatz für schweres erlittenes Unrecht) verlangen. Unter bestimmten Umständen kann auch ein Vorschuss auf die Entschädigung verlangt werden.

Gesuche um Entschädigung und Genugtuung müssen innert zwei Jahren seit der Straftat eingereicht werden, ansonsten die Ansprüche verwirken. Die anerkannten Beratungsstellen helfen gerne bei der Geltendmachung von Entschädigung, Genugtuung und Vorschuss. Die Gesuche können auch direkt dem Amt für Gesundheit und Soziales eingereicht werden.

Die betroffene Person kann unmittelbar nach der Straftat über die Notrufnummer 117 oder 112 die Polizei alarmieren oder sich bei einem Polizeiposten melden. Anlässlich der Befragung vermittelt die Polizei die wichtigsten Informationen zum Opferhilfegesetz, namentlich auch die Adressen der Opferberatungsstellen im Kanton Schwyz. Ausserhalb der Bürozeiten der Opferberatungsstellen kann eine anonyme Telefonberatung über die Nummer 143 der Dargebotenen Hand in Anspruch genommen werden. Das Opfer kann sich aber auch unmittelbar nach der Straftat an eine der anerkannten Beratungsstellen wenden.