Ernstfall in Havanna

Fr 05. / Sa 06. / So 07. April 2002
20.00 Uhr

deutsch, ab 12 Jahren

Kubakrise made in Switzerland

Der Satiriker Victor Giacobbo mausert sich zum Filmstar. Für «Ernstfall in Havanna» hat er nicht nur das Drehbuch geschrieben, er schlüpft auch selbst in die Haut des tölpelhaften Botschaftsangestellten Stefan Balsiger und drängt von Kuba aus die Welt an den Rand des Dritten Weltkrieges.

Ernstfall in Havanna» wartet mit einer Grundthese auf, die selbst schon satirisch wirkt: Die Schweizer Botschaft vertritt in Kuba die diplomatischen Interessen der USA. Eine absurde Idee, auf die nur ein Mensch mit viel Humor kommen kann? Keineswegs, die beste Satire schreibt immer noch das Leben. Tatsächlich existiert in Havanna eine voll bestückte amerikanische Botschaft, obwohl die USA und Kuba offiziell keine diplomatischen Beziehungen pflegen. Die Schweiz springt in die Lücke, und der Chef dieser «U.S. Interest Section» ist der Schweizer Botschafter.

In dieser Konstellation witterte Victor Giacobbo Potential für unfreiwillige Komik und erfand den Schweizer Botschaftsangestellten Stefan Balsiger. Die kleine Nummer auf dem kubanischen Diplomatenparkett befasst sich vorwiegend mit AHV-Anträgen und Visumsproblemen, fühlt sich aber zu Höherem berufen. Balsiger sieht seine Chance gekommen, als Botschafter Müller in Bern an der Botschafterkonferenz weilt und gleichzeitig der amerikanische Senator Russell überraschend in Kuba auftaucht. Russell soll mit der kubanischen Regierung in geheimen Gesprächen über die Lockerung des Wirtschaftsembargos verhandeln. Der amerikanische Lebemann interessiert sich aber mehr für «interkulturellen Austausch» der besonderen Art als für seine politischen Pflichten. Widerwillig bringt Balsiger den Senator mit Miranda , einer Barkeeperin und Gelegenheitsprostituierten, zusammen. Auch diese wittert die grosse Gelegenheit: Sie nimmt Russell als Geisel und versucht, ihre Ausreise in die USA zu erpressen.

Miranda war dann auch der Grund, warum der Ernstfall nicht in Havanna stattfinden konnte. Die kubanischen Behörden verweigerten die Drehgenehmigung ohne Angabe von spezifischen Gründen. Regisseurin Sabine Boss brachte aber in Erfahrung, dass ihr Film dem Frauenbild widerspreche, das Fidel Castro momentan durchsetzen will. In Kuba gibt es offiziell keine Prostitution. Und auch keine Frauen, die in die USA auswandern wollen. Ein Ersatz-Havanna fand Boss in Santo Domingo, wo sie mit einer internationalen Crew sechs Wochen lang drehte.

Trailer

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