{"id":55,"date":"1998-03-11T22:02:15","date_gmt":"1998-03-11T21:02:15","guid":{"rendered":"http:\/\/cvp.arth-online.ch\/?p=55"},"modified":"1998-03-11T22:02:15","modified_gmt":"1998-03-11T21:02:15","slug":"die-kinder-oder-die-folgen-der-selbstbeschraenkung-der-eltern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arth-online.ch\/cvp\/die-kinder-oder-die-folgen-der-selbstbeschraenkung-der-eltern\/","title":{"rendered":"Die Kinder &#8211; oder die Folgen der Selbstbeschr\u00e4nkung der Eltern"},"content":{"rendered":"<p><em>von Dr. Lucrezia Meier-Schatz, Generalsekret\u00e4rin der Pro Familia Schweiz und Pr\u00e4sidentin der CVP-Arbeitgruppe &#8222;Familienpolitik&#8220; sowie der CVP des Kantons St. Gallen<\/em><\/p>\n<p>Im Jahre 1988 stellte CVP-Nationalrat Joseph Deiss die erste Studie \u00fcber Kinderkosten &#8211; sie wurde im Auftrag der Pro Familia Schweiz erarbeitet &#8211; vor. Seither machen die Kinder und ihre Folgekosten regelm\u00e4ssig Schlagzeilen. Und doch tr\u00e4gt diese z\u00e4he Sensibilisierungsarbeit nicht die verdienten Fr\u00fcchte. Die Realisierung des Prinzips &#8222;ein Kind &#8211; eine Zulage&#8220; und die Festlegung eines Minimalansatzes auf Bundesebene scheitern immer wieder an den von F\u00f6deralisten und verschiedenen Verb\u00e4nden errichteten Hindernissen.<\/p>\n<p>Die neue, vom Bundesamt f\u00fcr Sozialversicherung (BSV) ver\u00f6ffentlichte Studie <strong>&#8222;Kinder, Zeit und Geld&#8220;<\/strong> hat w\u00e4hrend der letzten zehn Tage fette Schlagzeilen und unz\u00e4hlige Leserbriefe hervorgerufen. Leider hat sie nicht dazu beigetragen, gewisse Grundsatzfragen auf den Punkt zu bringen. Die von den Eltern geleistete Investition in die Zukunft entspricht zu allererst einem tiefen Wunsch danach, von Kindern begleitet zu werden, zuzusehen, wie sie sich entfalten, wachsen und ihren Lebensplan verwirklichen. Das Kind ist Quelle der Freude &#8211; nat\u00fcrlich auch der Konflikte, Probleme, Schwierigkeiten. Vor allem jedoch ist das Kind Tr\u00e4ger einer Zukunft und Garant f\u00fcr eine Gesellschaft, die sich weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Zu dieser gef\u00fchlsm\u00e4ssigen Investition kommt eine finanzielle Investition hinzu, die sich aus zwei spezifischen Aspekten zusammensetzt, einmal der direkten Investition &#8211; das sind jene Kosten, die Kinder unmittelbar verursachen &#8211; und dann der indirekten Investition, die dem Einkommensverlust infolge des Vorhandenseins eines oder mehrerer Kinder entspricht. Seit vielen Jahren schon verf\u00fcgen die Familienministerien unserer Nachbarl\u00e4nder in diesem Bereich \u00fcber genaue Zahlen. Das Bundesamt f\u00fcr Sozialversicherung hat also mit seiner Studie lediglich einen Mangel behoben. Diese Zahlen sind zur Formulierung einer koh\u00e4renten Familienpolitik sehr n\u00fctzlich. Sie dienen als Diskussionsbasis und erlauben es, R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Konsequenzen dieser direkten und indirekten Investition zu ziehen. Leider haben die Autoren der Studie &#8211; und dies ist der gr\u00f6sste Vorwurf, den man an deren Adresse richten muss &#8211; dabei nur an eine <strong>direkte und unmittelbare Kompensation der Kinderkosten<\/strong> gedacht. Zu den von der Initiative Fankhauser vorgeschlagenen 200 Franken pro Monat und Kind kommen die Forderungen der Pro Familia (400 Franken), der Sozialdemo-kraten (500 Franken), des B\u00fcros BASS (600 Franken) und der Christlichen Gewerkschaften (1000 Franken) hinzu! Betr\u00e4ge, die alle auf einer Analyse und spezifischen Gegebenheiten beruhen. Trotz der guten Begr\u00fcndung der Forderungen dr\u00e4ngt sich eine konzertierte Aktion der verschiedenen Gruppierungen auf, um einer nationalen Familienpolitik, die dieses Namens w\u00fcrdig ist, zum Durchbruch zu verhelfen. Denn die Forderung verschiedener Betr\u00e4ge ist wenig geeiget, dazu beizutragen, die heutige Situation zu deblockieren.<\/p>\n<p>Um Boden gut zu machen und endlich eine st\u00e4rkere Sensiblisierung der \u00f6ffentlichen Meinung zu erreichen, h\u00e4tten die Autoren der Studie auch die Folgen der freiwilligen Selbstbeschr\u00e4nkung der Eltern aufzeigen m\u00fcssen. Dadurch, dass sie diesen Aspekt ausser Acht liessen, haben sie leider Zahlen vermittelt, die eher Missbilligung denn Verst\u00e4ndnis hervorgerufen haben. Die freiwilligen Selbstbeschr\u00e4nkungen sind Quelle der Armut f\u00fcr eine wachsende Zahl junger Familien. Diese wiederum kann die Entwicklung der Kinder behindern und dadurch soziale Kosten f\u00fcr die gesamte Gesellschaft zur Folge haben. Die Selbstbeschr\u00e4nkung der Eltern hat zudem langfristige Folgen, da die Sparm\u00f6glichkeiten der Familien allgemein geringer sind als jene kinderloser Paare. Die Zahlen &#8211; wie eindr\u00fccklich sie auch sein m\u00f6gen &#8211; geben die Realit\u00e4t nur unvollst\u00e4ndig wider. Dies ist umso bedauerlicher, als man weiss, dass die Autoren der Studie alle das gleiche Anliegen haben, n\u00e4mlich endlich eine Familienpolitik zu etablieren, die diesen Namen auch verdient, und die von einer gr\u00f6sseren Solidarit\u00e4t unter den verschiedenen Mitgliedern der Gesellschaft gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen der Selbstbeschr\u00e4nkung sind vielf\u00e4ltig und k\u00f6nnen einen direkten Einfluss auf das Wohlergehen der Mitglieder der Familiengemeinschaft haben. Die freiwillige Investition hat also kurz- und langfristige Folgen. Neben der beschr\u00e4nkten M\u00f6glichkeit der Eltern zu privater Ersparnis ist auch zu bedenken, dass das Vorhandensein eines oder mehrerer Kinder im Allgemeinen einen nicht zu vernachl\u00e4ssigenden Einfluss auf die beruflichen Aussichten hat. Obwohl \u00fcber 56% der M\u00fctter von Kindern im Vorschul- und im Schulalter einer Teilzeit-Erwerbst\u00e4tigkeit nachgehen, haben nur wenige von ihnen die M\u00f6glichkeit, f\u00fcr sich eine Zweite S\u00e4ule einzurichten. Die Unm\u00f6glichkeit, Beitr\u00e4ge zu entrichten, f\u00fchrt dazu, dass mit Erreichen des Rentenalters die Mehrheit der Eltern gegen\u00fcber kinderlosen Paaren diskriminiert wird. Obwohl sie also eine enorme Investition in die Zukunft geleistet haben, werden sie irgendwie bestraft. Heute tr\u00e4gt einzig die mit der 10. AHV-Revision eingef\u00fchrte Erziehungsgutschrift dieser Leistung Rechnung. Dies ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.<\/p>\n<p>Die Zukunft der Sozialen Sicherheit gewinnt heute wieder vermehrt an Aufmerksamkeit und bereitet infolge der demographischen Entwicklung ernsthafte Probleme. In dieser Zeit, in der die Konsolidierung der sozialen Errungenschaften von der Christlichdemokratischen Partei erbittert verteidigt werden muss &#8211; einerseits gegen die Demontageversuche der Rechten, und andererseits gegen die vermessenen, alle Bereiche der Sozialversicherungen betreffenden Ausbauw\u00fcnsche der Linken &#8211; ist es unerl\u00e4sslich, die Resultate dieser neuen Analyse in die politischen \u00dcberlegungen einzubeziehen. Die CVP als <strong>&#8222;Familienpartei&#8220;<\/strong> ist verpflichtet, alles zu unternehmen, um zu verhindern, dass die Eltern an den Rand gedr\u00fcckt werden.<\/p>\n<p>Man wird um kurz- und langfristige Massnahmen zur Sicherstellung eines Lebens in W\u00fcrde und zur Verhinderung der Armutsfalle &#8211; Armut, die immer mehr Familien bzw. Kinder betrifft &#8211; nicht herumkommen. Kurzfristig muss auf Bundesebene unter anderem folgenden Massnahmen zum Durchbruch verholfen werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Prinzip &#8222;ein Kind &#8211; eine Zulage&#8220;,<\/li>\n<li>Mutterschaftsversicherung und Mutterschaftsleistungen,<\/li>\n<li>Bedarfsleistungen an Eltern von Kleinkindern, deren Einkommen einen gewissen Betrag nicht \u00fcberschreitet,<\/li>\n<li>existenzsicherndes Familieneinkommen,<\/li>\n<li>diskriminierungsfreies Steuersystem, in dem die wirklichen Kosten der Familien Ber\u00fccksichtigung finden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die langfristigen Massnahmen m\u00fcssen eine Neubeurteilung des Beitrages der Familien an die Gesellschaft beinhalten, ein Beitrag, der eine R\u00fcckwirkung auf ihre soziale Sicherheit haben muss. Das Verdienst der Studie des BSV ist es, neues Zahlenmaterial zu liefern, das eine bessere Einsch\u00e4tzung der Folgen der Selbstbeschr\u00e4nkung der Eltern und die Rechtfertigung einer konzertierten Aktion zur gezielten Unterst\u00fctzung der Eltern in ihrer erzieherischen Verantwortung erm\u00f6glicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Dr. Lucrezia Meier-Schatz, Generalsekret\u00e4rin der Pro Familia Schweiz und Pr\u00e4sidentin der CVP-Arbeitgruppe &#8222;Familienpolitik&#8220; sowie der CVP des Kantons St. Gallen Im Jahre 1988 stellte CVP-Nationalrat Joseph Deiss die erste Studie \u00fcber Kinderkosten &#8211; sie wurde im Auftrag der Pro Familia Schweiz erarbeitet &#8211; vor. Seither machen die Kinder und ihre Folgekosten regelm\u00e4ssig Schlagzeilen. 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