Einweihung Erweiterung Schulanlage Sonnegg Goldau 11./12. September 1999

Schulanlage Sonnegg – ein Ort der Begegnung

Sprechen wir von einer Schulanlage, so denken wir dabei automatisch an eine Stätte der Bildung, des Lernens, der Vermittlung von Wissen und vielleicht noch von kulturellen Werten. Schliessen wir die Turnhallen in den Begriff mit ein, erweitern wir das Bild durch sportliche Tätigkeit von Schülern und Vereinen. Eine Schulanlage aber vom sozialen Standpunkt aus zu betrachten, scheint an den Haaren herbeigezogen, ist aber gar nicht so abwegig, vor allem, wenn dies aus der Sicht eines Einwohnervereins geschieht. 

Das Schulhaus, ein Ort der Begegnung – oft der ersten selbständigen ausserhalb des Elternhauses – mit anderen gleichberechtigten Kindern. Schritt für Schritt wird das Wesen der Mitschüler entdeckt, die Eingliederung in eine Gemeinschaft, die Schulklasse, erprobt und es werden Konflikte um Rivalitäten und Konfrontationen ausgetragen. Soziales Verhalten, Toleranz und Integration werden im Idealfall als Nebenprodukt der schulischen Ausbildung erlernt. Sicher kann ein Schulhaus auch zum Ort von Gewalt und Ausgrenzung werden, bietet aber gleichzeitig auch den Rahmen, diese negativen Werte zu thematisieren.

Dass Turnhallen ein Ort der Begegnung sind, ist wohl unbestritten. Die Hallen stehen ausserhalb des Schulbetriebes den örtlichen Sportvereinen für Training, Sport und Spiel oder Wettkämpfe zur Verfügung. Dadurch tragen sie nicht nur zur Förderung der dörflichen Gemeinschaft bei, sondern schaffen die Grundlage für zwangslose Begegnungen unterschiedlichster Menschen. Die dem Sport beigemessene soziale Bedeutung sowie der Abbau von Aggressionen sind dabei nicht zu unterschätzen.

Die Bedeutung des multifunktionalen Schulhausplatzes als Ort der Begegnung, zeigt sich schon darin, dass dieser Platz seit Jahren für Gesprächsstoff sorgte und gar zum Politikum wurde. Doch jeder Anlauf zur Sanierung und Verschönerung scheiterte. Zum Schluss diente der Schulhausplatz noch als Parkplatz oder Fussballfeld und war vor allem ein Ärgernis für die Anwohner. Das Bedürfnis eines zentralen Platzes wird vielerorts durch die historischen Marktplätze abgedeckt. Durch den Bergsturz und die im neuen Goldau prägende Bedeutung der Bahn fehlt ein harmonisch gewachsener Dorfkern mit einem entsprechenden Platz, was sicher erklärt, warum der Schulhausplatz, der zwei- oder dreimal im Jahr zum Festplatz und somit zum Ort der Begegnung für die Dorfbewohner wurde, so grosse Bedeutung hat. Diesem Aspekt trägt die Gestaltung des neuen Platzes Rechnung. Seine Spielfelder mögen zum Treffpunkt und friedlichen Kräftemessen von Kindern werden, seine Fläche möge manches Festzelt tragen und die Dorfbevölkerung zum gemeinsamen Feiern und Lachen laden oder als Arena für Zirkus und Theater dienen.

Mit der neuen Schulanlage erhält Goldau nicht nur einen architektonischen Schwerpunkt, sondern auch eine Chance, diese Anlage zu einem Ort der Begegnung, der dörflichen Gemeinschaft und Kommunikation zu machen.

Monica Müller
Präsidentin Verkehrs- und Einwohnerverein, Goldau


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